Projekt Europa: Die Liberalisierung der Strommärkte

Seit 1999 gilt der deutsche Markt für Energie und Strom als liberalisiert. Nach der Abkopplung der Netze von der herkömmlichen Energieversorgung unterliegen die Entgelte dafür einer Regulierung seitens der staatlich agierenden Bundesnetzagentur. Der andere Teil der Versorgerkette, die Unternehmen, unterliegen damit einem zunehmenden Wettbewerb. Ziel war es unter anderem auch, die Monopolstellung der großen deutschen Energiekonzerne aufzubrechen. Durch die Erleichterung des Markteintritts für neue Stromanbieter sollten auch die Preise für die Verbraucher sinken. Doch die Liberalisierung ist nicht überall in Europa gleich weit fortgeschritten.

Bei einem Stromvergleich wird schnell deutlich, wie unterschiedlich die Preise für die Versorgung mit Strom auch regional ausfallen können. Dabei ist bereits innerhalb Deutschlands ein starkes Nord-Süd-Gefälle feststellbar, denn nicht überall treten dieselben Anbieter auf und auch die Angebote selbst können variieren. Trotzdem steigen die Strompreise seit Jahren an und ein Vergleich lohnt sich in jedem Falle.

Europäische Strommärkte zeigen unterschiedliche Öffnungstendenzen

Die Direktive zur Öffnung der Strommärkte erfolgte seitens der Europäischen Kommission bereits 1997, doch der Verlauf, wie und wann die einzelnen Ländern dieser Aufforderung nachkommen, fällt sehr unterschiedlich aus. Nach den Vorreitern Norwegen, Schweden und England zogen sehr früh auch Deutschland, Österreich, Dänemark und die Niederlande nach. Einige wenige Anbieter bilden dagegen weiterhin ein Oligopol auf den Strommärkten von Ländern wie Frankreich und Italien.

Doch auch auf dem deutschen Strommarkt hatte die Liberalisierung nicht umgehenden Wettbewerb zur Folge. Zunächst fusionierten einige Anbieter und konnten damit ihre Marktmacht sogar noch ausweiten und den Preis für Strom eben darum sogar noch steigern. Auch in Frankreich geht die Liberalisierung bisher weitgehend in diese Richtung und der Zugang für neue Anbieter wird dadurch sogar noch erschwert. Inzwischen konkurrieren in Deutschland aber auch immer mehr kleine Anbieter, vor allem in den großen Städten, und können so die Preiserhöhungen zumindest kurzfristig abfedern. Das funktioniert aber nur dann, wenn die Verbraucher von Strom regelmäßig die Angebote vergleichen und den Tarif wechseln.

Ein Stromvergleich lohnt sich

Eine Preiserhöhung erfolgt bei den meisten Anbietern in der Regel zum Jahresanfang und muss rechtzeitig und schriftlich vorab den Kunden mitgeteilt werden. Daraufhin haben die Verbraucher ein Recht zur Sonderkündigung ihrer Verträge. Diese Kündigung muss schriftlich erfolgen, damit der Vertrag vorzeitig beendet wird und ein Wechsel zu einem anderen Tarif oder zu einem neuen Anbieter erfolgen kann. Ist diese Frist zur Sonderkündigung verstrichen, dann bleibt immer noch die reguläre Kündigung zum Ablauf der jeweiligen Vertragsdauer, die ebenfalls fristgerecht erfolgen muss, damit sich der Vertrag nicht automatisch verlängert. Dazu reicht aber in der Regel die Anmeldung bei einem neuen Stromanbieter. Nach einem Preisvergleich kann man sich bei dem neuen Anbieter anmelden und der übernimmt dann die Umstellung der Verträge im Namen seines neuen Kunden und trägt dafür Sorge, dass die Grundversorgung auch bei einem Vertragsübergang stets gewährleistet ist.

Strompreise und der Energiemix

Immer mehr Energieexperten, Verbraucherschützer und Vertreter der Bundesnetzagentur raten zum regelmäßigen Wechsel des Stromanbieters um die Marktmacht als Verbraucher selbst aktiv wahrzunehmen und so den Strommarkt auch selbst mitzugestalten. Dabei geht es nicht mehr bloß um die Ausgestaltung der Preise für den Strom an sich, sondern immer mehr auch um die Wahl des richtigen Strommixes aus herkömmlichen und erneuerbaren Energien.

Die Stromproduktion richtet sich bisher weitestgehend nach der Förderung. Sorgten zunächst beispielsweise neue Anlagen zur Erzeugung von Strom in Form neuer Photovoltaik-Anlagen für Überkapizitäten, so nahm dies bei Wegfall der Förderung und Reduzierung der Möglichkeiten zur Abschreibung deutlich ab und kehrte sich sogar um, sodass Strom aus anderen Ländern wie Frankreich oder Polen importiert werden muss, um den auftretenden Mangel auszugleichen.

Durch die unterschiedlichen Arten und Wege der Öffnung von Strommärkten auf europäischer Ebene lässt sich bisher nur schwerlich ein Blick in die Zukunft wagen. So obliegt es derzeit vor allem der energie-, umwelt- und ökonomischen Forschung, mögliche Handlungsstrategien für einen großen gesamteuropäischen Masterplan irgendwo im Spannungsfeld der politischen und wirtschaftlichen Akteure auf dem Strommarkt Europas zu formulieren. Gerade die Gestaltung der Energiewende hin zum Einsatz von mehr erneuerbaren Energien zählt zu den größten Herausforderungen für den Strommarkt.